Erster Tage auf der Schafalp; Achtung Gefahr!

Schafalp im Bleniotal

Der Schafhirt hatte am Sonntag 30. Sept. seinen letzten Tag des Vertrages. Mein Glück, so kann ich endlich das letzte Praktikum das mir für meine Schafhirtenprüfung noch fehlt absolvieren. Natürlich habe ich mich unheimlich gefreut, das wir (mein Team; ich und meine zwei Border Collies Billy & Sheriff) endlich allein auf der Alp eine Schafherde mit Herdenschutzhunden betreuen dürfen. Wenigstens die letzten Tag bis ende Oktober (je nachdem wie das Wetter es zulässt). 

Am ersten Tag ist mir gleich ein Fehler passiert der für mich sehr gefährlich hätte werden können (oder peinlich), ich hatte beim runtergehen die Abzweigung verpasst und wollte nicht den ganzen Weg zurückgehen bis ich diese finde. Ich dachte mir, nicht so schlimm, ich habe ja mein Garmin Navi 64s (das Beste derzeit auf dem Markt) dabei...Denkste!!! Ich sah zwar wohl wo (auf dem Navi) der Weg ist den ich vorher beim Aufsteigen aufgezeichnet hatte, doch nicht damit gerechnet dass ich da gar nicht durchkomme!!! Extrem unangenehm verholztes Gebüsch undurchdringlich macht mir das Vorwärtskommen zum GARAUS! Und unter dem Gebüsch war es teilweise felsig löchrig rutschig und vor allem einmal drin sah ich nicht mehr raus. Über Bäche unter dem Gebüsch durch und dann kam ein Fels der steil hinunterging und ich begann zu rutschen...konnte mich gerad noch festhalten umdrehen und "strampeln" hoffend dass das Gebüsch an dem ich mich festhielt hält. Mit aller Kraft hochziehend legte ich mich danach im Gebüsch wieder angekommen erst mal ausser Atem hin. Meine Hunde Billy & Sheriff spürten dass etwas nicht stimmte und legten sich ganz nahe an mich und gaben mir ihre Küsslis auf die Nase. Es schneite ganz fein und es wehte ein extrem unangenehmer Wind. Glatte Regenhosen im Gebirge sind gefährlich! Man rutscht damit wenn man mal stauchelt! Also gegen Links wo mein Navi den Weg nur 20 Meter entfernt anzeigt hatte ich keine Chance; ich wäre abgestürzt wenn ich es nochmal probiert hätte. Nun zum Glück war es Anfang Nachmittag also die Eindunklung noch 4 Stunden entfernt. Beruhigend war, dass ich im Notfall hätte telefonieren können und dank dem Navi die genaue Position durchgeben können. Doch wie peinlich wäre denn das gewesen. Anfänger Schafhirtin mit Helikopter abholen? NEIN!!! Geht gar nicht; so will ich meine Schafhirtenkarriere nicht beginnen! Doch eine Lösung musste her. Noch einmal den erschöpften Körper hochbeamen, zusammenreissen und nach einer Lösung suchen! Ich verbinde mich mit der Natur wie ich es in der Wildnispädagogik-Ausbildung gelernt hatte; Bewusstsein ausdehnen, Liebe ausbreiten, Dankbarkeit und Verbindung. Ich frage meine Freundin Natur und ihre Tiere mir zu helfen, mir ein Zeichen zu geben. Ich brauche eine Richtung wo ich vorwärts komme und nicht Gefahr laufe abzustürzen. Dann höre ich ein aufflackern eines Berghuhnes, über mir. Ich denke das muss das Zeichen sein und sehe auf mein Navi; ja der Weg schlängelt sich auch ca. 150 Meter über mir, das ist fast der Anfang...der wäre nämlich 200 Meter Höhendifferenz über mir. Ganz klar ich muss geradewegs rauf, doch wie. Dann sehe ich zu meiner Rechten den Bach herunterfliessen. Hmm, ist zwar nass doch Gestrüppfrei und machbar. Also steige ich im Bachlauf (meine Boys mir vertrauensvoll folgend) 150 Meter hinauf und erreiche den Weg. Gott und Mutter Natur (ganz speziell dem Huhn das Gegackert hat sei Dank! Erwähnenswert ist hier auch, dass die beiden Herdenschutzhunde immer von der Nähe aus (ca. 20 Meter) uns beobachteten. Später am Abend erklärt mir Ruth, dass sie auch ausgebildet werden um verschollene Menschen zu finden und mir grosser Wahrscheinlichkeit der Bernardiner Hund seine Abstammung ihnen verdankt. Ich bin froh (und erschöpft), dass ich keine Hilfe rufen musste und nehme mir diese Lektion zu Herzen! Verzeiht mir, dass ich keine Fotos von diesem Abenteuer gemacht habe; ich hatte einfach nicht daran gedacht ;-)

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